Gedichte & Lieder
 
 

zwa, zwou, zwëi

Ein Mundartgedicht von Barbara Schmid aus Friedenfels
über die korrekte Verwendung der drei Wörter,
die alle nur eins bedeuten, nämlich: zwei.
 
Unsa Sprouch is niad sua leicht
dou kannst di schwaa vahaua.
Doch an dem Beischbül, wou ëitz kummt,
dou kammas leicht daschaua.
Ich homma oft Gedangn gmachd
a scho in aller Frëih,
wenn sagt ma zwa, wenn sagt ma zwou,
wenn sagt ma endlich zwëi?
Wenn's Kiena san, nou sagt ma zwa,
sans Weiwa, sagt ma zwou.
Und is vo Maana nou die Red',
sua sagt ma zwëi dazou.
Und is des Zeich a bissal gmischd,
mit zwoaraloi Geschlecht,
soch ruhich zwa, dëi Richtung stimmd,
und du housd imma Recht.
Wenn a Gsellschaft baranana hockt,
und oine assi mou,
dou kannst draaf wettn - niad aloi,
dou genga imma zwou.
Und hëiast nachts, sua umma draa,
a Lied sua greisli schëi,
dou brauchst niad roun, dou woist genau,
halt - ëitza kumma zwëi.
Wennst leise durch die Bischla schleichst,
und hëiast an leichtn Schraa,
nou sans niad zwëi, vielleicht sans zwou,
doch meistens sansara zwa.
Sua houst des mit den zwëi, zwou, zwa
niad glei beim erstn Schritt,
dalerna kannst dëi Sprouch fei niad,
dëi git da d'Mutta mit.
-
Habtzis vastandn?
 
 

 
 

Da bëise Zweach vo Mascherberch

Ein Mundartgedicht vom Waldershofer Heimatdichter Ludwig Hoffmann (1840 – 1923).
An dieser Stelle vielen Dank an Stefan Müller aus Waldershof, der uns die Informationen zum Autor geschickt hat.

Nach Informationen eines Lesers aus Kemnath wissen wir, dass der "Mascherberg" ca. 2 km südlich von Waldershof liegt (Karte). Die Geschichte hat zu Erbendorf zwar keinen direkten Bezug, aber es ist in einem Dialekt verfaßt, der dem Erbendorferischen doch sehr ähnelt. Ausserdem finde ich die Verse so amüsant, dass ich sie Ihnen nicht vorenthalten will.
 
Vor Zeit´n houd a bëiser Zweach
Sei Wes´n driem am Mascherberch.
Hom Kina g´scherzt im Wold und g´lacht,
Hout er af sie a Fruatschn g´macht.
An Weibern hout a Kerb versteckt,
An Fouermannern as Vëich daschreckt.
Doch übel isa kumma a,
Als er hout gstellt an Schmied a Ba.
Da Schmied der is glei ferti gwest,
Der hout nan backt und gschwunga fest,
Sein Steck´n sura dreizer mal
Und hout se denkt: der hout sein Daal.
Flink Fëissla hout a graigt da Zweach,
Is furtgrennt as´n Mascherberch.
Hout g´schimpft beim Renna wëi a Spoutz,
Doch weg bliem is a – g´holfm houts.
 
***
 
 

 
 

Annamierl, Zuckerdierl

Ein Oberpfälzer Lied, das ich noch von meiner Großmutter her kenne.
 
Annamierl, Zuckerdierl,
Gëih mid mir in d'Schlëia.

Na, na na, i kann niad gëih,
Ich hob a wëiche Zëia.

Kann niad iwas Graawerl hupfm,
Kann niad iwi schbringa.

Na woart ner, bis da Bauer kummd,
Der wird di iwi bringa.

Annamierl, Zuckerdierl,
Gëih mid mir in d'Schlëia.

Ich dou da nix, ich dou da nix,
ich beiß di bloß in Zëia.

 
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Erdepfl in da Frëih

Eine Ode an die Oberpfälzer Kartoffel.
 
Erdepfl in da Frëih,
Middooch in da Brëih.

Am Oumd und zu jeder Zeid,
Erdepfl in alle Ewichkeid.
 
.o.O.o.
 
 

 
 

Da bëise Bou

Ein Oberpfälzer Mundartgedicht, gefunden von Ruth Kloss aus Wernberg.
Selbstredend kann der Name "Maxl" durch jeden anderen Namen ersetzt werden.
 
Da Maxl is a bëisa Bou,
der git an ganzn Doch koi Rou.

Da Vadda schboad niad mit die Wix,
doch all dëi Schleech, dëi hölfn nix.

Dou fallds da Mudda endlich ei,
sie schbead nan zu die Hehna ei.

Und wëia sitzt im Hehnahaus,
dou schreid da bëise Maxl raus:

"Eischbean kinz mi, des waa ma oins,
owa'r'a Oa leng doui koins."
 
°°°
 
 

 
 

Zaaluggade Hehna

Ein Spottreim für Menschen mit Zahnlücken

Zaaluggade Hehna,
fressn kannst dena,

fressn kannst wëi a Gaal,
houst aa koin Zaa im Maal.
 
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A weihnachtlichs Lëicht

Von Norbert Reindl, gewidmet seinem Vater Josef Reindl (24. Dezember 1923 – 06. Juni 1999)

A bsonders Lëicht in der Adventszeit waar scho schëi in der Stod.
Niat des Funzellëicht va di Stroussnlambm, sua homs gsagt,
owa koiner hout wos dou.
A bsonders Lëicht zur Adventszeit, des oumd immer aa is…
A bsonders Lëicht mit Stern und grëina Straa sollds wern.
Am besten waars wenn an jederm Haus an der Hauptschdrouss
suara Stern leichten daad.
A boa Gschäftsleit hom selber agfangt, owa jeder mit an anderm Stern.
Bei de wichtigsten Gschäfta gibt’s ëiz a Lëicht.
Owa wos is mit die anern?
Vielleicht machen dëi aa mid? Irgendwer mëisst halt froung.

Dann is er lousganga mit seim Steckn - wecha seim Hulzbaa.
Im Juni in der Summahitz houda agfangt und hout gfrougt
wecha dem weihnachtlichen Lëicht.
Vo Haus zu Haus isa ganga, vo Gschäft zu Gschäft.
Vüle hom gsagt dass mitmachn, ower niad alle.
Nuamal isa ganga damit am End wirklich an jederm Haus
soura bsonders Lëicht strahlt.
Dann endlich homs alle an Stern bschdölld, oder sogoa zwoa.
Im erschdn Joua woarns umara 40 Schdick.
Und am erschdn Advent is eigschalt worn, des weihnachtliche Lëicht,
d ´Weihnachtsbeleuchtung in der Stod.

A weihnachtlichs Lëicht.
D´ Stimmung woar aufamal ganz anders, besinnlich, weihnachtlich, einfach schëi.
Dou houda si gfreit und woar ganz stolz, dass er des gschafft houd.
Middlerweiln gibts fast 100 leichdnde Stern und d´ Leit gfrein si,
wenns alle in der Adventszeit brenna.
Vater der Weihnachtsbeleuchtung homs zu ihm gsagt.
Am scheinsten is des Lëicht ower am heilign Oumd
- aa nu an seim Geburtsdoch -
weil dou di Stern di ganze Nacht durchbrenna.

….und eiza is a selber a Stern….
 
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Noudenkt

Von Norbert Reindl frei nach Herrmann Hesse (Im Nebel)

Aafamal is er dou
der Nebl,
verschluckt des
wos vorher dou woar.
Im Lëicht wars Lebm leicht.
Eiza sans alle furt, im Nebl.
Eigentlich hëit ichs wissen mëin,
dass neblich wern kannt.
Owa wenns guad gëit denkt ma niat draa.
Aafamal is er dou
der Nebl…
und d´Einsamkeit aa.
 
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Das Gedicht vom Seppl vo da Reitn

Gefunden und vorgetragen von Christl Eber.

Sagt da Seppl vo da Reitn:
"Wëih, schdichts mir in meiner Seitn
und des wurld in die Derm,
das i grod moin ich mou schderm!"
"Halt dei Goschn!" sagt sei Alte,
denn des is a ganz a Kalte.
"Moo" sagts, "gëi houst du a Gwaaf,
halt dei Maal ëiz und schdëi aaf!"
"Zenz, ich kann niad, Himmlsaxn,
schau, ich kumm ja niad aaf d'Haxn.
Wos ma fahld, da Boder kennt's.
Hul' an Boderwaschl, Zenz!"
Glei draaf kummd da dammisch Boder:
"Soll ich aderlassen, oder?"
"Jessas!" schreit da Seppl zwiad.
"Boder, unterschdëi di niad!"
Draaf doud er min Finger deidn,
aaf sein Wëiding in da Seitn.
"Hülf' ma, Boderwaschl, gëi.
Wann i hiedruck, dann douds wëi!"
Bratzn drin im Leiwldaschl,
schdëida dou da Boderwaschl.
Schreid nan nachad aa an Sepp:
"Ja druck' halt nou niad hie, du Depp!"
 
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Wou is des goude Budda-zeich?

Ein weihnachtliches Mundartgedicht von Karl Hofmann aus Poppenreuth
frei aus dem Hochdeutschen in seine Nordoberpfälzer Mundart übersetzt.
 
Seit Wochn bachd die Mudda blous,
und alle Schachdl, glaa und grouß
wean fullgschlichd und sofoad faschdeggd,
das ja b'koin an Glusd aafweggd.
Des Budda zeich, saggds, wiad äiaschd goud,
wenns nu sua zwaa dra Wochng rouhd,
wals dann, wos jeda gwies vastäid,
aaf dera Zunga fast fagäid.
Und Weihnachdn waas dann sua weit,
das dMuada hulad fulla Freid
däi Schachdl, wou se goud vaschdeggd,
und glaabd, daas koina gwies endeggd.
Drei woan aa wiagle vull und schwaa,
die väidd owa leichd --- holdd laa.
Dou haudsa se va Woud vagässn
Und gschria: "Wea houd däi Plätzla allzamm gfrässn?
As Buddazeich - ‚as besde grood
um allas aana waa niad schood.
Ja, kann ma denn sua füül fadroogn ?
Dou mou oins doch an Saumoong hoom!"
"Drei Saimoong", saggd da Vadda nou,
"ich woas‚ as Moil und da Bou!"
Doch koina houds vn aanan gwissd,
daas aa mied aas da Schachdl frissd.
Blous gwunad houdse jeda schwaa,
daas pletzle wao däi Schachdl laa.
Wäi kennt dees owa anaschd saa,
wenn alle Dooch a bao - mal draa.
Full Schrägg ganz blass die Mudda saggd:
"Ja, wou und wenn houds enks dees gmachd?"
Ich hoo koin oinzen kaija seng,
des is doch ganz gwies an woos gleeng!"
Da oin schaud dou an anan aa
Und jeda woiss, äitz kräings nan draa.
"Däi kinna uns - soongns alle draa
blous aaf da Zunga zganga saa."
 
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Heind is Kirwa

Ein Mundartgedicht gefunden von Maria Philbert-Koegst aus Ebnath. Sie schreibt dazu:
"Dieses Gedichtl hab ich von meiner Tante Marie, das hat sie mir immer mal wieder vorgesagt und ich fand es als Kind soo lustig! Anscheinend hat man zur Kirwazeit sein ganzes Geld für die Kirwa verbraucht, so dass man am Sonntag nichts mehr G’scheids kochen konnte und auf Kartoffelbrei zurückgreifen musste."
 
Heind is Kirwa, murgn is Kirwa
Und die ganze Wochn.
Wenn der liebe Sunntooch kummd
Homma nix zun Kochn.
Kocht d’Mutter an Erdepflbrei,
stampft’n da Vatter mi’n Fëissn ei.
Schlipperament, schlapperament,
houd si da Vatter d’Haxn vabrennt!
 
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